Nachdem ich im Juni bereits einmal einen Ausflug zum Mount Fuji gemacht hatte, ging ich dieses Mal zusammen mit Eric aus meiner Japanischklasse bis ganz auf den Vulkan (3776 Meter) hinauf. Von Shinjuku aus nahmen wir am Sonntag Morgen um 9 Uhr den Highway Bus, welcher uns in etwas mehr als 2 Stunden bis zur fünften Station auf 2305 Meter brachte. Dort assen wir kurz etwas und deckten uns mit allenmöglichen Utensilien ein. Eric kaufte sich wie viele andere Besucher einen Walking stick für welchen man bei jeder Station für 200 Yen einen Stempel kaufen kann. Um 14 Uhr begannen wir schliesslich mit dem Aufstieg. Von Beginn an wimmelte es nur so von Touristen, wobei mindestens 90% Japaner waren. Die meisten erklommen den Berg in grossen Gruppen, welche erst nach gemeinsamem Aufwärmen losmarschierten. Einige waren auch mit ihren Kindern gekommen, welche manchmal erst fünf oder sechs Jahre alt waren. Andere Besucher waren hingegen schon ziemlich alt und wir wunderten uns, wie diese die kommenden Stunden überstehen würden. Bis zur siebten Station auf 2700 Meter ging es ziemlich schnell vorwärts und wir machten keine grösseren Pausen. Danach wurde der Weg aber deutlich steiler und felsiger, so dass man teilweise seine Hände zur Hilfe nehmen musste. An einigen Stellen ging es nur in Einerkolonnen aufwärts und da sich die Gruppen jeweils an den Schwächsten ausrichteten, kamen wir nur noch sehr langsam weiter hinauf. Das kam uns aber gelegen, da wir einerseits mehr als genug Zeit bis zum Sonnenaufgang hatten und andererseits weil sich die dünne Luft und damit auch Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit bemerkbar machten. Kurz vor dem Erreichen der achten Station auf 3100 Meter begann es dann plötzlich in Strömen zu regnen. Mit dem Einsetzen von Donner und Blitz kam dann plötzlich etwas „Lord of the Rings“-Stimmung auf: Zauberstab in der einen Hand, Kapuze tief ins Gesicht gezogen, Regen von allen Seiten, kämpften wir uns langsam den Vulkan hinauf. Zwischen der achten und neunten Station legten wir dann eine etwas grössere Pause ein und verpflegten uns ausführlich. Der Preis für ein Snickers lag hier mittlerweile bei 300 Yen (normalerweise 120 Yen in einem Convenience Store) und die heisse Schokolade kostete 400 Yen. Ein Toilettenbesuch kostete hingegen durchwegs 100 Yen. Mittlerweile war es stockdunkel geworden und die meisten Bergsteiger verpflegten sich in einem der zahlreichen Huts und schliefen dann dort auch für einige Stunden. Wir hatten hingegen nichts reserviert und waren etwas überrascht, dass man uns nicht einmal zum Essen, Trinken und etwas Aufwärmen hineinliess. Als es uns dann zu kalt wurde, beschlossen wir, den Aufstieg fortzusetzen. Die letzte Station erreichten wir kurz vor 23 Uhr auf ungefähr 3400 Meter. Unter der Bedingung, dass wir etwas bestellen, durften wir dort für 20 Minuten bleiben. Das fanden wir aber ziemlich daneben und blieben einfach sitzen. Nach einer Stunde waren wir beinahe am Tisch eingeschlafen, doch plötzlich wurden wir durch das Klopfen der Bedienung wieder hellwach. Uns wurde mitgeteilt, dass wir für 1000 Yen pro Person nochmals eine Stunde bleiben könnten, dann müssten wir aber weiter. Da es draussen sehr kalt und immer noch regnerisch war, blieben wir deshalb nochmals eine Stunde dort. Um halb eins fühlte sich die Hütte plötzlich mit zahlreichen Gruppen und unsere Zeit war abgelaufen. Wir machten uns also auf die letzte Etappe, welche uns fast endlos vorkam, da man mittlerweile trotz hellem Mond selbst mit Taschenlampe nicht mehr viel sehen konnte und es langsam aber sich auch an Energie fehlte. Vor uns befanden sich jedoch zahlreiche Gruppen, welche noch deutlich mehr zu kämpfen hatten und alle paar Minuten eine Pause – inklusive Griff zur Sauerstoffflasche – einlegen mussten. Den höchsten Punkt erreichten wir schlussendlich um 2:53 Uhr bei eisiger Kälte und erbarmungslosem Wind. Viel gab es dort nicht zu tun, doch um halb vier gingen die Läden und Restaurants auf. Eine grosse Schale Ramen um 3:45 Uhr entschädigte uns fürstlich für die vergangenen Stunden. Kurz nach vier Uhr sollte dann die Sonne aufgehen und zig hunderte Leute machten ihre Kameras bereit. Was dann folgte, war jedoch eine grosse Enttäuschung. Es wurde zwar langsam heller, doch in dem Moment, in dem alle glaubten, dass jetzt dann die ersten Sonnenstrahlen durchstechen, schob sich eine gigantische schwarze Wolke vor die Sonne und damit gab’s für die nächsten Stunden nichts mehr zu sehen. Wir warteten noch einige Minuten und machten noch einige Fotos vom Innern des Kraters, welcher immer noch viel Schnee und Eis hatte und begannen dann um 5 Uhr wieder mit dem Abstieg. Der Abstieg dauerte zwar nur gerade drei Stunden inklusive Pausen, doch er war mindestens so anstrengend wie der Aufstieg. In endlos langen Zickzackwegen ging es auf Kieswegen und ohne Hütten langsam den Vulkan hinunter. Gegen Ende begann es wieder in Strömen zu regnen, so dass wir völlig durchnässt um 8 Uhr wieder bei der fünften Station waren. Mit Bus und Zug ging es dann nach Hause zurück. Puh, was für ein Trip…
Um 4:19 Uhr waren wir alle noch voller Hoffnung…

4:33 Uhr: Die Wolke, die alles zu Nichte machte…

Blick in den Krater: Kein besonders schöner Anblick… oder wie mein Professor nach meinem Reisebericht sagte: „What does that tell you about the universe? Most things look much more beautiful from far away…“
